Zukunftsorientiert

Der Maschinenbauer WEINMANN setzt bereits seit 1985 Trends in der Holzbau-Produktion. Bis heute hat es das schwäbische Unternehmen aus St. Johann zum Weltmarktführer für Holzbau-Anlagen geschafft – sowohl für Zimmereianlagen, Modulehersteller als auch für die Fertighausindustrie. Seit jeher als verbindendes Element mit dabei: Software von granIT.

WEINMANN Vertriebs- und Marketingleiter Michael Marschall und Projektingenieur Ingo Kriegberichten im Gespräch, welchen Stellenwert heute Manufacturing Execution Systems MES in der maschinellen Produktion von Holzfertighäusern einnehmen. Und warum ohne MES in der Holzbauindustrie eigentlich kaum noch etwas „läuft“.

granIT: Fallen wir gleich mit der Tür ins Haus: Seit wann spielt eigentlich MES bei WEINMANN eine Rolle?

Ingo Krieg: Im Prinzip seitdem WEINMANN Maschinen für die Fertighaus-Produktion baut. Natürlich steckte die Software zu Beginn noch in den Kinderschuhen. Aber es kann wirklich gesagt werden: MES – und speziell die von granIT – begleiten WEINMANN-Maschinen, ganz egal ob in größeren Industrie-Anlagen oder in Anlagen für kleinere, eher mittelständische Unternehmen, seit Beginn unserer Maschinenproduktion.

granIT: Und welche Rolle spielt MES in WEINMANN-Anlagen bzw. in der späteren Anwendung der WEINMANN-Maschinen? Wäre ohne MES heute überhaupt noch ein effizienter Produktionsablauf auf Ihren Maschinen möglich?

Michael Marschall: Sagen wir es so: Wenn der Kunde eine kleine Anlage ordert, also etwa eine Mutlifunktionsbrücke mit Tisch, dann braucht er im Prinzip kein MES. Das ist alles überschaubar: Da kommt der Auftrag ins System, es wird produziert bzw. der Job von den beiden Maschinen erledigt. Und fertig.
Sobald jedoch mehrere Maschinen miteinander verkettet werden, wird logischerweise die Komplexität des Gesamtsystems umfangreicher – und dadurch weniger überschaubar. Dennoch müssen Effizienz, Durchlaufzeiten und somit eine optimale Produktionsplanung angepasst und entsprechend verbessert werden. Die einzelnen Elemente, die auf der Anlage verteilt sind, sollten also idealerweise so platziert und gesteuert werden, dass eine möglichst hohe Ausbringung und Kapazität erreicht werden. All’ das wird dann durch ein übergeordnetes MES geregelt.
Zudem ist MES heute unabdingbar, weil damit eine Produktions-Transparenz entsteht. Mit MES wird es möglich, Schwachstellen im System zu erkennen und ineffiziente Bereiche mit der Produktionsfeinplanung besser auszulasten.
Und sogar nach der Produktion spielt das Manufacturing Execution System eine elementare Rolle, da es überhaupt erst eine konsequente Auswertung möglich macht. Was ist gelaufen? Wo habe ich gute, wo habe ich schlechte Auslastung erreicht? Wo gab es Fehlerbereiche, wo kann ich optimieren?

Ingo Krieg: Bei Anlagen, die beispielsweise mehr als 300 Häuser pro Jahr produzieren sollen, ist MES Pflichtprogramm. Selbst in Produktionsstrecken mit Insellösungen macht es immer noch Sinn, mit MES Struktur und Transparenz in den Ablauf zu bringen.

granIT: Das hört sich alles sehr komplex und multidimensional an. Wie reagieren Ihre Kunden, die größere Anlagensysteme bei Ihnen ordern? Bestellen die gleich das passende MES-System mit?

Ingo Krieg: Früher hieß es seitens der handwerklichen Produktion oft: Wir wissen schon, was wir tun müssen! Wenn diese Betriebe nun automatisiert arbeiten wollen und die eine oder andere WEINMANN-Anlage kaufen, dann ist es wichtig das Verständnis dafür zu schaffen wie wichtig ein strukturierter Produktionsprozess ist. Mittlerweile ist es aber tatsächlich so, dass viele Kunden zumindest ein Basis-Wissen in Sachen MES haben. Sie wissen, dass sie mit dem Manufacturing Execution System einen höheren Ausstoß und eine bessere Auslastung der Maschinen erreichen. Das überzeugt!
Es fällt uns inzwischen deutlich leichter, den Kunden die Notwendigkeit eines MES zu vermitteln. Als immer funktionierendes Beispiel ist granIT-Software dann natürlich ein gutes Tool, um ein koordiniertes Arbeiten als Regelfall einzufordern.

Michael Marschall: Ab einer gewissen Anlagengröße sprechen wir direkt in der Projektierungsphase mit den Kunden über ein MES System. Den meisten Kunden ist das mittlerweile auch von vornherein klar – wenn es sich nicht gerade um absolute Neueinsteiger handelt,. Es ist also durchaus bekannt, dass für eine große Produktionsanlage ein MES als „organisierender Leitstand“ zwingend erforderlich ist.
Interessanter wird es dann bei mittelgroßen Anlagen, also beispielsweise in Holzbaubetrieben mit etwa 100-200 Mitarbeitern. Diese arbeiten meist schon mit Basis-Systemen auf ihren Anlagen, kaufen die eine oder andere Maschine dazu und stellen dann gleich als erste Frage: Können wir das denn mit unserem bisherigen System koppeln? Darauf kann es lediglich eine Antwort geben: Nur wenn man ein MES einsetzt, sind die Maschinen bzw. Systeme untereinander zu koppeln.

granIT: Gibt es in der WEINMANN-Produktionshistorie denn Beispiele, bei denen MES eine dieser elementaren Rollen gespielt hat? So ein bisschen wie „ohne MES nix los“?

Michael Marschall: Selbstverständlich. Eine Anlage, deren komplexe Funktionalität mich persönlich sehr beeindruckt hat, sind die Produktionsstätten der Lindbäcks Bygg in Schweden. Für WEINMANN ist es eine der höchstautomatisierten Anlagen, die aktuell in Betrieb ist. Und das passt jetzt gut zusammen: Sie ist auch die Anlage mit der höchsten Auslastung und schnellsten Taktzeit.
Ein Teil der Anlage ist komplett automatisiert, die Wandelemente werden vollautomatisch produziert mit einer Geschwindigkeit von bis zu acht Minuten pro Wandelement. Alle Produktionsdaten werden hier per MES eingesteuert, vorsortiert und dann an die Anlage übergeben. Ein weiterer entscheidender Faktor des in Schweden angewandten MES: Es wird über die kundenseitige Werksplanungssoftware per MES vorbestimmt und gesteuert, wann welches Rohmaterial an welcher Stelle in der Anlage vor Ort sein muss. Dementsprechend weiß die Logistik unseres Kunden, wann welches Holz, welche Materialien in das System eingebracht werden sollten. Das muss man sich mal vorstellen: Eine 10-Meter-Wand, alle acht Minuten – das ist schon Weltklasse. Und funktioniert in diesem perfekten Ausmaß nur mit MES – das übrigens von granIT stammt!

granIT: Wie war das für Sie als Quereinsteiger, Herr Marschall? Gab es da mal einen Aha-Effekt, als sie mit einer MES konfrontiert wurden?

Michael Marschall: Also grundsätzlich kenne ich aufgrund meiner früheren beruflichen Erfahrungen auch MES-Systeme, die jedoch ganz anders gelagert waren. Ich war allerdings sehr erstaunt, was Manufacturing Execution Systeme in der automatisierten Produktion von Holzfertighäusern alles „leisten“ können.

granIT: Wie wichtig ist denn MES im Zusammenhang mit der überall diskutierten Transformation, die ja bei WEINMANN auch bereits ihre Rolle spielt?

Michael Marschall: Zusätzlich zur optimalen Produktionstechnologie erweitern wir unser Angebotsportfolio ständigund hinterfragen auch angrenzende Prozesse wie die richtige Qualifizierung der Mitarbeiter oder beispielsweise strategische Themen wie unser Kunde sein Geschäftsmodell erfolgreich weiterentwickeln kann.
Und um beim MES zu bleiben: wir müssen bei kleineren und mittleren Kunden mehr darauf eingehen, dass auch dort ein MES gewünscht und benötigt wird. Nehmen wir zum Beispiel einen Kunden, der durch Neukauf mittlerweile fünf EAP-Systeme am Laufen hat. Hier macht es Sinn, alles von MES gebündelt und koordiniert auf einen Bildschirm zu bringen. Derartige Schulungen bietet unsere eigene Schulungsabteilung an. Und wir ziehen Experten hinzu, wie zum Beispiel Wolfgang Bock von granIT.

granIT: Haben MES eigentlich Einfluss auf die Entwicklung Ihrer Maschinen?

Michael Marschall: Nein, das kann man so nicht sagen. Die Maschinen werden ja immer nach den Anforderungen der einzelnen Märkte bzw. Kunden gebaut. Allein im Hausbau hat jede Firma in jedem Land unterschiedliche Anforderungen. Das MES muss eher in der Lage sein, die Interaktion der einzelnen Maschinen im Prozess- und Produktionsfluss zu koordinieren und die effiziente Aufteilung der zu produzierende Einheiten möglichst effizient aufzugliedern. Selbstverständlich verändert sich die Daten-Schnittstelle entsprechend der technologischen Entwicklung.

Ingo Krieg: MES wirkt sich aber vorteilhaft auf das Handling von WEINMANN-Maschinen aus. Mit dem MES wird die Konfiguration, also was die Maschine am Werkstück machen soll, automatisiert bereit gestellt. Die Datei ist schon geladen, das System entsprechen konfiguriert. Ohne MES müsste man in die Maschine eingeben „Rückseite Wand XY, geklammert, nicht geschraubt.“ Das ist heute alles bereits vorbereitet im MES. Ich muss nicht mehr nach Dateien suchen, man ist weniger fehleranfällig. Wenn eine Wandnummer zehn Stellen hat, öffnet man „händisch“ schnell die falsche Datei – einem MES wird das nicht passieren.

granIT: Apropos Fehler. Welche machen Ihre Kunden im Zusammenhang mit MES?

Ingo Krieg: Mitunter ist die Erwartungshaltung extrem hoch: 1. Man will mit MES einen höheren Output, ohne größeren zusätzlichen Aufwand. 2. Es gibt immer wieder die Hoffnung, dass man wie zu manuellen Zeiten einfach zwischendurch im Produktionsablauf mal was umstellen kann, und das System erkennt dies automatisch.
In der Praxis schaut das aber etwas anders aus. Man muss schon eine gewisse Disziplin im Produktionsablauf bewahren und die Bereitschaft haben, sich an die MES-Steuerung zu halten. Kurz: die Kunden verlieren ein wenig Flexibilität, gewinnen jedoch mit MES enorm an Effektivität.
MES bildet ja nicht das vollständige ERP-System ab, sondern ist nur ein Teil davon.

MES ist zuständig für Produktionsplanung und -ausführung. Hier haben Kunden häufig Verständnisprobleme, weil sie ein System gegen ein anderes austauschen wollen. Doch MES ist eben kein ERP-System und kann eben NICHT die Logistik im Lager, den Einkauf, die Buchhaltung bis hin zum kalkulatorischen Preis des gerade produzierten Hauses übernehmen. Diesen Eindruck haben jedoch manche Kunden. MES ist ausschließlich für die Durch- und Ausführung der Produktion zuständig. Allerdings kann man in vielen Fällen das MES mit dem ERP-System verknüpfen, wenn die Schnittstelle entsprechend definiert wird. Das macht granIT dann zusammen mit dem Kunden.

granIT: Abschließend noch die nicht ganz uneigennützige Frage nach den Vorteilen einer Zusammenarbeit WEINMANN/granIT aus Ihrer Perspektive?

Ingo Krieg: Die liegen eindeutig im fachspezifischen Know-how und somit im Zusammenhang mit der Effektivität des Produktionsablaufes. Wenn zum Beispiel bei einem Kunden über eine neue Anlage ein Balken oder Element von zwei Meter Länge alleine läuft, dann werden 80 Prozent der Kapazität verschwendet. granIT und deren MES sorgen hier für Ordnung und volle Effizienz. Außerdem wird der Kunde mit MES „organisierter“ und muss sich zwangsläufig an die Prozessabfolge halten. Ganz so, wie wir respektive granIT das geplant haben.
Für WEINMANN ist die Zusammenarbeit mit granIT aber durchaus auch ein Verkaufsargument: Wir haben einen starken Partner, mit dem alles gut funktioniert. Und der ein System einbringt, das selbst mit den Maschinen aus anderen Häusern, die in die Produktionskette eingegliedert wurden, reibungslos funktioniert. Wie zum Beispiel Plattenvorzuschnitt-Maschinen. Da tut sich so manch anderes System schwer.

Michael Marschall: Ganz wichtig – granIT-Geschäftsführer Wolfgang Bock kennt den Markt der Holzfertighaus-Industrie wie kaum ein anderer. Die Einstellung von granIT „geht nicht, gibt es nicht“ hat sich schon bei vielen Projekten für uns als extrem motivierend bewiesen. Und die Fähigkeit der granIT-Teams, auch auf individuelle Belange intensiv einzugehen und eben nicht vorgefertigte Produkte aus der Schublade zu ziehen, empfinde ich persönlich als höchst professionell und kundenzentriert – genau das brauchen wir in einer zukunftsorientierten Zusammenarbeit!

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